| Wie komplex eine Sagenvorstellung werden kann, zeigt das Motiv der Wilden Männle. Sehr viele heterogene Einflüsse haben sich hier zusammengefunden. Die über ganz Europa verbreiteten Wilden Männle kommen nicht nur in den Sagen vor, sondern auch in Bräuchen und ebenso in der Literatur des Mittelalters. Viele Teile ihrer Sagen sind mit Motiven versehen, die ursprünglich in Zwergensagen beheimatet waren So verschwanden sie, wenn sie zu sehr belohnt wurden oder brauchten menschliche Geburtshilfe. Doch scheinen insbesondere bei unseren Allgäuer Wilden Männle auch historische Hintergründe mitzusprechen. In unseren Sagen werden sie durchwegs als sehr hilfsbereit geschildert. Sie sind meist die besten Hirten und kennen sich oft auch in der medizinischen Betreuung der Tier aus. Sie lassen sich fast nur mit Nahrung bezahlen und verschwinden bei zu guter Bezahlung. Auch werden sie heimgerufen, wenn ein Mitglied ihrer Sippe stirbt. Gekleidet sind sie leider nicht wie bei unserem Oberstdorfer Wildesmännlestanz, sondern tragen oft ärmliche Kleidung. Vieles spricht dafür, dass sie uns an die rätoromanischen Vorfahren erinnern. Als die Alemannen im Jahre 496 von den Franken besiegt wurden, mussten sie sich neue Siedlungsgebiete suchen. Als Heimatvertriebene und Flüchtlinge wies ihnen der Gotenkönig Theoderich das Land zwischen Lech und Bodensee zu. Dieses Gebiet war nach den Alemanneneinfällen von den Römern aufgegeben worden. Die romanische Oberschicht hatte es schon längst verlassen. Zurückgeblieben waren nur wenige romanisierte Kelten, die zum Teil als Viehzüchter die Alpen bewohnten. Ganz langsam stießen nun die Ackerbau betreibenden Alemannen in unser Gebiet vor und trafen dort vereinzelt auf die rätoromanische Urbevölkerung. Bei diesem friedliche Zusammentreffen gab es sicher viele Situationen, in denen die Wilden Männle den zugezogenen und gebirgsunerfahrenen Alemannen helfen konnten. Durch Assimilation verschwanden im Laufe der Jahrhunderte die Wilden Männle. |
| Zusätzliche Literatur |
Köcheler Anton: Der Wilde-Mändles-Tanz in Oberstdorf in Unser Oberstdorf, Blätter zur Oberstdorfer Heimatgeschichte, Hrsg. Verschönerungsverein Oberstdorf, Sonderheft, Oberstdorf, April 1985
Pauli, Ludwig: Die Alpen in Frühzeit und Mittelalter. Die archäologische Entdeckung einer Kulturlandschaft, München 1981 (2. Auflage)
Rausch, Elke: Wilde Männle im Allgäu, Kempten 1967
Röhrich, Lutz: Die deutsche Volkssage, aus: Vergleichende Sagenforschung, Hrsg. Leander Petzold, Darmstadt 1969
Zusammenfassung eines Vortrages von Hans-Jörg Vogel zum Thema: Kryptozoologie in Deutschland - Am Beispiel des Themas „Wilder Mann“ |
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Wildes-Mändle im Museum
in Mühlhausen (Elsas) |

Wildes-Mändle auf dem
Bahnhofsplatz in Oberstdorf
(von Maximilian Ruess)

Wildes-Mändle im Heimatmuseum in Oberstdorf
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