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Das Bergbauerndorf Gerstruben

Lage:
Gerstruben liegt im Dietersbachtal, einem östlichen Seitental des Trettachtales. Von Oberstdorf aus führt eine Fahrstraße über die Burgstallsteig und die Gerstruber Steige hinauf zu der Ortschaft und von dort weiter ins Tal hinein bis zur Dietersbachalpe. Vom Weiler Dietersberg im Trettachtal führt ein wunderschöner Fußweg durch den schaurig-romantischen Hölltobel, der jedoch Trittsicherheit voraussetzt.
Entfernung von Oberstdorf: ca 10 km
Bitte beachten, dass die Straße ab dem Renksteg für den öffentlichen Verkehr gesperrt ist!
Beschreibung und Geschichte:
Gerstruben ist durch eine Hangkuppe von Norden und Osten her geschützt und eignete sich deshalb gut für eine Ansiedlung. Das Tal selbst entstand in seiner heutigen Form in der letzten Eiszeit. Der Hölltobel grub sich erst nach der Eiszeit ein.
Der Sage nach soll Gerstruben sogar älter als Oberstdorf sein. Im Kern ist diese Sage wahr, da die Hochtäler rund um Oberstdorf schon sehr früh im Sommer alpwirtschaftlich genutzt wurden. Der Fund des Ötzis beweist, dass die Alpen schon in der Bronzezeit genutzt waren. Doch eine Dauersiedlung ist in Gerstruben erst für das 14. Jahrhundert nachweisbar.
Insbesondere im Mittelalter, als bei uns das Klima weitaus wärmer war als heute, wurde hier Gerste angebaut. Das gab dem Ort jedoch nicht seinen Namen. Nach Thaddäus Steiner ist "ruben" wahrscheinlich ein romanisches Wort, das soviel wie "überwachsener Murkegel" bedeutet. Der Name taucht in einer Reihe von Rubi bis in die Spielmannsau - Steinrube - fast nur im Trettachtal und seinen Seitentälern auf.
Im 18. Jahrhundert bestand der Ort sogar aus 12 Häusern. Viele Familien des Ortes kamen aus dem Lechtal oder dem Walsertal. Das waren Einwanderer, die mit dem oft unwirtlichen Lebensbedingungen in so einem Hochtal vertraut waren.
Da die wirtschaftlichen Grundlagen der Bauern nicht unbedingt die sichersten waren, verkauften sie im Jahre 1892/93 alle 9 Anwesen an eine Elektrizitätsgesellschaft, die in diesem Tal einen Speichersee errichten wollte. Das geplante Kraftwerk wurde jedoch Gott sei Dank nie gebaut. Im Jahre 1896 ging es in den Besitz des Freiherrn von Heyl über, der das Gebiet zu Jagd nutzte und fast die gesamte Bergbauernsiedlung erhielt. 1953 verkaufte seine Frau Anneli das gesamte Gebiet an den Verein Oberstdorfer Rechtler, eine Vereinigung von vielen Oberstdorfern Bürgern. Auch damals stand die Gefahr eines Wasserkraftwerkes wieder im Raum. Die Rechtler setzten die teilweise abbruchreifen Häuser, die fast alle unter Denkmalschutz stehen, wieder instand.
Das Haus Nr. 2 wurde damals von Baron Heyl bei seinen Jagdausflügen bewohnt, weshalb es immer noch "Barone Hüs" genannt wird. Es wurde im Jahre 1626 erstellt - siehe Balken im Keller - und war das größte und schönste der Gerstruber Häuser. Ursprünglich war es ein Zwiehof nach Walser Bauweise (Wohnhaus mit Giebel nach Süden und extra stehender Stall) und wurde erst später mit einem einheitlichen Dach - First nach Osten - überbaut. Im sogenannten "Jakobe-Hüs " ist heute ein kleines, aber feines Museum untergebracht. Die Marienkapelle stammt wahrscheinlich aus dem 17. Jahrhundert. Drunten am Dietersbach, wenigen Minuten vom Ort entfernt, steht eine alte, jedoch immer noch funktionierende Sägemühle.
Durch das Gemeindeedikt kommt die Ortschaft 1818 zur neugebildeten politischen Gemeinde Oberstdorf.

Hin und wieder werden Führungen durch den historischen Ort angeboten - die Termine erfahren Sie bei der Kurverwaltung.

Literatur:
Geschichte des Marktes O., B.2, S. 204 ff
Flurnamen, Steiner, S. 103 f
Ortsnamenbuhg, Dertsch, S. 55
Stützle, S. 25
Weitere Links:

Alpen : Gerstruberalpe, Dietersbachalpe, Gerstruber Älpele
Radtour: Gerstruben - Dietersbachtal
Wanderung: Gerstruben
Berggasthof: Gerstruben

Stand: 15.06.2011

Gerstruben mit Höfats
Jagdhaus
Barone-Hüs
Blick nach Norden
Schrattkarte
 
Verbesserungsvorschläge und weitere Artikel für diesen Online-Führer werden gerne entgegengenommen! Alle Angaben auf diesen Seiten "ohne Gewähr"!   Alex Rößle