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Das Prinzenkreuz im Oytal

Der Chronist Franz Alois Schratt hat in seinen vielen Aufzeichnungen u.a. folgende Geschichte hinterlassen:

„Wo dem Himmelhorn gegenüber der „Rauhe Hals" als steile Schlucht mit den kühnen Höfatsgipfeln in das Oytal herab sich zieht, befand sich der bayerische Prinz Luitpold im Jahre 1868 auf der Gemsjagd, wozu auch der Förster Schwarzkopf von Oberstdorf und eine Menge Jäger und Treiber ebenfalls dort anwesend waren. Ob die vorherige Witterung oder der Fußtritt der Gemsen zur plötzlichen Überraschung die Loslösung von Felsmassen veranlaßten, konnte nicht näher ermittelt werden. Als nun eine Menge Felstrümmer und Steine talwärts rollten, war der Standpunkt des kgl. Prinzen Luitpold in so bedenklicher Gefährdung, daß der Förster sich veranlaßt sah, den Prinzen in besonderen Schutz zu nehmen, indessen zum Glück wurde niemand von den Steinen getroffen, mit Ausnahme eines Treibers, welcher verwundet wurde, aber bald wieder hergestellt werden konnte.
Die erschrockene Jagdgesellschaft entrann knapp dem Verderben, welches die furchtbaren Geschoße der Steine zu bringen drohten. Durch die gütliche Unglücksabwendung wollte aber der Prinz zu dauerndem Andenken sich dankbar zeigen durch Errichtung eines Kreuzes auf der Gutenalp, welches im Jahre 1875 den 3. Oktober auf einem abgestürzten Felsblock von 1868 gesetzt wurde mit folgender Inschrift:
,Zur Erinnerung an die glückliche Errettung Des Prinzen Luitpold und seiner Jagdgäste vor vor einem Bergsturz im Jahre 1868'
Seitdem wird dieses Kreuz, welches von Pfarrer Küberle 1875 benediziert wurde, das Prinzen-Kreuz genannt und erhielt dadurch besondere Bedeutung, indem dieser Kgl. Prinz berufen wurde, als prinzregentlicher Landesvater vom J. 1886 - 1912 die Regierung der 7 Bayernländer zu fuhren."

Soweit der Chronist in der damals üblichen „Unterthanensprache".
Der letzte Absatz wurde dem vorigen Text erst nach dem Tode des Regenten im Jahre 1912 hinzugefügt.
Der Zahn der Zeit nagte in Form von Rost auch am Prinzenkreuz. Vermutlich in einem Wintersturm vor rund 25 Jahren fiel das Kreuz samt Texttafel zu Boden. Das Kreuz wurde gefunden die Texttafel - war verschwunden. Der Wortlaut des Textes war noch bekannt und der damalige Jagdherr des Oytal-Revieres ließ das renovierte Prinzenkreuz mit einer neuen Tafel (Nr.2) aufstellen.
Doch auch diese Tafel verschwand irgendwann nach dem 2. Wletkrieg spurlos. So steht das Kreuz heute noch ohne Tafel da und die vorbeiziehenden Wanderer wissen nichts über den Usprung dieser Tafel.
Im September 2005 erhielt ich den Anruf einer Dame aus Kreuth am Tegernsee. Sie hat im Sauerland (!) eine Gusseisenplatte mit dem oben angerührten Text entdeckt und mit zu ihrem Wohnsitz genommen. Auch dort war die Gedenktafel noch einige Zeit liegengeblieben. Ich konnte Ihr mitteilen, dass diese Text-Tafel aus dem Bereich Oberstdorf stammte. Anläßlich eines Ausfluges mit Gatten nach Oberstdorf gelangte die Denkschrift hierher.
Nach einer längeren Odyssee erweitert die Gußeisen-Platte nun die Jagdabteilung unseres Museums. Sie hat neben anderen Exponaten aus dem Umkreis des Regenten einen Ehrenplatz in der Vitrine eingenommen.
Auch im Buch "Die Allgäuer Alpen" von Max Förderreuther aus dem Jahre 1907 finden wir zu dem Kreuz auf S. 37 folgenden Eintrag:
"Am 3. Oktober 1872 weilte Prinz Luitpold, der jetzige Regent von Bayern, mit seinen Jagdgästen im Oytal nahe dem Stuibenfall. Da ging plötzlich von den Hängen des Himmelhorns ein Felssturz nieder und schleuderte seine furchtbaren Geschosse bis zur erschreckten Jagdgesellschaft, die nur knapp dem Verderben entrann. Ein Metallkreuz ist auf einem der herabgestürzten Blöcke errichtet zum Andenken an die Errettung aus drohender Gefahr." Ursprünglich befand sich am Kreuz eine gusseiserne Platte mit der Inschrift: "Errichtet zur Erinnerung an die glückliche Errettung Sr. Kgl. Hoheit des Prinzen Luitpold von Bayern und seiner Jagdgäste bei dem Bergsturze am 3. Oktober 1872". (Welches Jahr war nun wirklich das Unglücksjahr?)
Links:
Täler: Oytal
Heimatmuseum: Die Rückkehr der Tafel am Prinzenkreuz
Literatur:
 

Prinzenkreuz

Tafel am Prinzenkreuz
Tafel (Nr. 2) am Prinzenkreuz

Rauhenhalstobel
Rauhenhalstobel

 
Verbesserungsvorschläge und weitere Artikel für diesen Online-Führer werden gerne entgegengenommen! Alle Angaben auf diesen Seiten "ohne Gewähr"!   Alex Rößle