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Das "Blaue Allgäu"

flachs.gif (7990 Byte)

Der Flachsanbau

Bis vor etwa 150 Jahren wurde das Landschaftsbild des Allgäus vom blühenden Flachs (=Lein) geprägt. Neben dem Anbau selbst, waren die Bauernfamilien auch mit seiner weiteren Verarbeitung beschäftigt.  Im 19. Jahrhundert wurde unser Leinen von der billigeren Baumwolle verdrängt. Verarmung und bittere Not waren die Folgen. Viele Familien wanderten in dieser schlimmen Zeit nach Amerika aus. Erst von Karl Hirnbein und Johann Althaus lernten unsere Landwirte, dass man auch mit Käse Geld verdienen konnte. Die Umstellung auf die Milchwirtschaft brachte den erhofften Aufschwung.

1. Aus einem Lexikon:
Flachs (Lein)
- sehr alte Kulturpflanze, als Faserpflanze zur Herstellung von Leinengeweben und als Ölfrucht zur Gewinnung des Leinöls.
Leinöl
...aus Leinsamen gepresst; ergibt ein hochwertiges Speise- und auch Heilöl; wird auch zur Herstellung von Farben verwendet

2. Der Flachsanbau
An einem windstillen Tag im Frühjahr wird der Leinsamen ausgesät. Bald ist alles voller Knospen und schnell aufbrechender Blüten. Aus dem grünen Feld ist ein blaues Blütenmeer geworden, das im Wind wogt. Wer es gesehen hat, wird es sein Leben lang nicht mehr vergessen.

Mitte September verliert der Flachsacker allmählich seine Farbe und verändert sich in ein leuchtendes Goldbraun. Damit kündigt er seine Reife an. Bei der Ernte wird der Flachs büschelweise aus der Erde gerissen, die Wurzeln ausgeschüttelt und die Bündel zum Austrocknen über die Heinzen geschichtet. Nach ungefähr 10 Tagen kommen die Bündel auf einen Holzkarren, der mit Tüchern ausgeschlagen ist, zum Bauernhof und werden in der Tenne gestapelt.
3. Die Verarbeitung von Flachs
a) Das Riffeln Damit die wertvollen Samenkapseln nicht verloren gehen, werden die Flachsbüschel durch die eiserne Riffel gezogen. Dabei fällt der Samen in die ausgebreiteten Tücher.
b) Das Brechen Um die holzigen Teile der Pflanze, z.B. die Rinde, zu entfernen werden, die Stengel zuerst in der "Flachsbreche" gebrochen.
c) Das Schwingen Im "Schwingstock" werden nun die holzhaltigen Teile mit dem hölzernen Schwingmesser von der Flachsfaser abgeschlagen.
d) Das Hecheln Die Flachsfasern werden durch Bürsten mit eisernen Zähnen gezogen. Dabei trennen sich die kurzen von den langen Fasern. Nur aus den langen und feinen Fasern kann der Faden für das Nähgarn gesponnen werden.
e) Das Spinnrad Am Spinnrad wird aus den Fasern der Faden hergestellt.
f) Der Webstuhl Dieses Garn wird im Webstuhl zu Leintüchern verarbeitet.
g) Die Flachsbleiche Die naturfarbenen Leintücher werden in einer Wiese aufgespannt und an der Sonne gebleicht.
Literatur:
nach: Kreszentia Zeller "So war's einmal im Allgäu und Max Flad "Flachs und Leinen"
 
Verbesserungsvorschläge und weitere Artikel für diesen Online-Führer werden gerne entgegengenommen! Alle Angaben auf diesen Seiten "ohne Gewähr"!   Alex Rößle