
Im Jahr 1578, acht Tage vor Fastnacht,
saßen der Hirte Chonrad Stoeckhlin und sein Freund
Jacob Walch abends zusammen und zechten. Dabei kam ihnen
die sondersame Idee, einen Vertrag über den Tod
hinaus abzuschließen. Wer als erster sterben sollte,
müsste dem anderen erzählen, wie es dort drüben
ausschaue.
Genau acht Tage später verstarb
der Ochsenhirt Jacob Walch und weitere acht Tage später
erschien er seinem Freund, als dieser beim Feuerholz
machen war. Jacob las ihm derart die Leviten, dass Chonrad
sein Leben grundsätzlich änderte. Er wurde
aus Buße nicht nur überaus gläubig,
sondern begann weitere Kontakte mit der anderen Welt
aufzunehmen. Hierzu wurde er des öfteren von einem
Engel abgeholt und für zwei bis zweieinhalb Stunden
mit der "Nachtschar" an einen Ort gebracht,
wo seiner Meinung nach das Fegefeuer und das Paradies
zu sehen seien. War Chonrad Epileptiker?
Natürlich
erzählte er seine Erlebnisse seinen Freunden und
Bekannten, um auch sie auf den rechten Weg zu bringen.
Irgendwann denunzierte man ihn bei der Obrigkeit und
er wurde am 29. Juli 1586 zum ersten Mal befragt. Nachdem
sich seine Aussagen nicht mit den strengen Vorgaben
des Hexenhammers deckten, verhörte man ihn so lange
"hochnotpeinlichst", bis aus den Fahrten mit
Engeln und der Nachtschar Hexenfahrten auf den Heuberg
wurden.
Natürlich musste er dabei
auch weitere Namen preisgeben und, nachdem sein Reservoir
an toten Personen erschöpft war, folgten ihm weitere
Oberstdorferinnen auf den Scheiterhaufen, den er selbst
am 23. Januar 1587 bestieg. Dabei wurden bei jeder "Befragung"
der weiteren Beschuldigten durch Folter weitere Namen
aufgedeckt.
Folgende
Namen sind überliefert:
Grete Raminger, Anna Enzenbergerin, Anna Luzin,
Barbara Luzin, Barabar Berchtoldin, Elspetha Schedlerin,
Elspeth Luzin, Barbara Erbin, Appolonia Erbin, Urula
Huber, Catharina Voglerin, Barbara Kapeller und ihre
gleichnamige Tochter, Catharina Kapeller, Elspetha Kapeller,
Anna Hindelang, Elisabeth Seelos, Anna Nickhin, Engla
Schrautolffin, Anna Freyin u. v. m.
Nicht alle waren Oberstdorferinnen, aber viele aus Chonrads
Verwandtschaft. Aus den Prozessakten geht hervor, dass
viele der Frauen erst nach größter Tortur
gestanden. Von einer Frau, Katharina Stederin, wissen
wir, dass sie zwar vernommen, dann aber wieder freigelassen
wurde - sicher eine Seltenheit. Auch ein weiterer Mann,
nämlich Hans Ramminger wurde beschuldigt, konnte
sich der Hinrichtung jedoch durch Flucht entziehen.
Heute
wissen wir, dass sicher 15 Oberstdorfer/Innen hingerichtet
wurden. Vieles spricht dafür, dass es 21 waren.
Laut Wolfgang Behringer sind bei diesem Prozessen wahrscheinlich
25 Menschen umgebracht worden. Das Hab und Gut der Verurteilten
wurde eingezogen und zur Begleichung der Prozesskosten
verwandt.
Anmerkungen:
Linolschitte von Oskar Wolf aus dem Buch "Oberstdorfer
Hexen .." (s.u.)
Text zusammengestellt von Alex Rößle
Weitere Informationen:
Die Geschichte des Hexenglaubens
am Beispiel Oberstdorfer Sagen
Wichtige Bücher:
Oberstdorfer Hexen auf dem Scheiterhaufen, Hofmann Karl,
Oberstdorf 1931
Chonrad Stoeckhlin und die Nachtschar, Behringer Wolfgang,
München 1994
Geschichte des Marktes Oberstdorf, 2. Teil, Zirklel
Heimrich Bernhard und Grundmann Werner, Oberstdorf 1974