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Die Fasnacht (oder auch Fastnacht)

In Oberstdorf gibt es im Gegensatz zu anderen Gebieten in Deutschland keinen Karneval und keinen Fasching statt. Bei uns und so auch im ganzen alemannischen Sprachraum heißt diese Zeit zwischen Dreikönig und dem Aschermittwoch "Fasnacht". Aber keine Angst, auch bei uns hat dies nur bedingt mit der Fastenzeit zu tun. Damit Sie einen kleinen Einblick in unsere Fastnacht, die Zeit vor der Fastenzeit, erhalten, mache ich Sie hier mit den wichtigsten Tagen vertraut:
Mit dem "Gumpigen Donnerstag", der "Wibrfasnacht", werden bei uns die "tollen Tage" eingeläutet. Ihm folgen der "Rusige Frittag", der "Schmotzige Samschtag" mit seinen Schmalzküchle, der Fasnachtsunntag mit dem Umzug, der Fasnachtsmätag und zum Abschluss der Fasnachtsaftermätag. An diesem wurde noch vor ca 20 Jahren in der Gaststätte zum Bahnhof die "Fasnacht" nach einer "Trauerrede" begraben.
Fastnachtsumzug
Noch vor wenigen Jahrzehnten war es in Oberstdorf üblich, dass die Kinder in der Fastnachtszeit von Haus zu Haus gingen und Fastnachtssprüchle aufsagten. Dafür bekamen sie "Gutzle" (=Bonbons) oder Kiachle (Schmalzgebäck). Leider ist dieser Brauch in den letzten Jahren aus der Mode gekommen und mit ihm natürlich auch die netten Sprüchle, von denen ich Ihnen hier eine kleine Auswahl vorstellen möchte. Viel Spaß beim Übersetzen! Bringen Sie’s heraus?
Sie werden feststellen, dass sich unsere Fasnacht doch ein wenig vom lauten und fröhlichen Karneval unterscheidet. Bei uns geht es ein wenig zurückhaltender und ruhiger zu. Aber da sich bei uns im Ort doch eine ganze Reihe "Rheinischer Frohnaturen" niedergelassen haben, kommen Sie sicher auch auf Ihre Kosten.
Reiser berichtete in seinem Buch "Gebräuche und Sprichwörter des Allgäus" (Band 2) von einem Fastnachtsreiten, das früher in Oberstdorf durchgeführt wurde. Reisers Beschreibung des Brauches finden Sie weiter unten.
Literatur:
Reiser, Gebräuche, S. 45 ff
Links extern:
> "Fastnacht" bei Wikipedia
Stand: 31.07.2011
Fasnachtssprüchle aus Oberstdorf
I bi a kleine Fastnachtsbutz,
i bi a kleine Bear
und wie be Gott erschaffe hod,
so rumple i dohea.

I bi dr Maa vu Wiißehoare,
i ho ming Wiib am Bedd verloare,
ho se gsüecht em gonze Hüs,
no isch des Lüedr bum Kemad nüs.
....(Fortsetzung)
Und wea se findt und numma bringt,
dea kriet an reacht schiis Trinkgeald gschenkt.

I bi dr Maa vum Bodesea,
i ho kui gonze Hosa mea,
Hosa, Hosa müeß e hong,
sis kane numma Fasnacht gong!

Luschteg isch die Fasenacht,
wenn ming Müeddr Kiechle bacht.
Wenn se abr kuine bacht,
no pfiif i uf die Fasenacht.

Kribes, krabes, Kriz,
ming Vaddr goht i d‘ Schwiz,
leit an gröue Montl a
und lüeged wie na tonze ka.

Wenn isa Madt zum Mealke goht,
und schdoht dr Schtüehl id reacht,
no wirft sen i nan Winkl ning,
un hoored mid em Kneacht.

I bi a kleiner Fastnachtsbutz,
hos Herz am rechte Fleackle,
drum geabed mir an kleine Stutz,
ho zum Luine no ming Schteackle.

Wenn i amol a Wiible ho,
des wo br numma gfellt,
no klemm es zwischba d‘Schtubestiir
und sag se sei vrschnellt.

I bi a kleina Schwizar,
i bitt um an Krizar,
i bitt um an Grosche,
no holt i ming Gosche.

I bi a Hanswurscht,
ho Hünger und Durscht.
gib br an Grosche,
no holt i ming Gosche.

I bi a jünga Gsell,
Jeich olte Wiibr i d‘ Hell
Druimol nüs, druimol ning,
i bitt um a Gläsle Brenntewing.

I bi a arma Beck,
ho kui Meal und kui Seck,
ho kui Rooß und kuin Kaare,
müeß mid dr Katz i d‘ Mihle fahre.

Ming Müeddr  bacht Kiechle,
viel groaß und viel klui.
Dr Vaddr, dea Schpitzbüe,
frisst garall alui.

Es reangeled, es schniebeled,
es goht a kolta Wind,
do kummed die drui Basele
mit de lange Nasele
und saged, es sei a Sind.

Bin i a Lump, bisch du a Lump,
so simbr Lumpe zwii.
Ho i kui Geald, hosch du kui Geald,
wo wend mir Lumpe hi?
Bum Gingelwirt, bum Gangelwirt,
do kehred d’ Lumpe ing,
und süfed Bier und Brenntewing
und  s‘zahle lend se sing.

 

Reiser S 84

 
Verbesserungsvorschläge und weitere Artikel für diesen Online-Führer werden gerne entgegengenommen! Alle Angaben auf diesen Seiten "ohne Gewähr"!   Alex Rößle